AUSBILDUNG

Voraussetzung

Wer kann ehrenamtliche/r Begleiter/in werden?

Sie sind bereit, sich mit den Themen Sterben, Tod, Trauer und Verlust auch persönlich auseinanderzusetzen.

Sie haben Freude daran, Menschen zu begegnen.

Sie können Ihr Handeln selbst reflektieren.

Sie achten die Würde anderer Menschen und schätzen sie, auch wenn Sie selbst andere Wertvorstellungen haben.

Sie möchten Ihre Zeit ehrenamtlich und ohne Vergütung einbringen.

Sie sind bereit, sich stetig fortzubilden.

Sie lassen sich auf das Lernen in einer Gruppe ein.

Sie sind bereit, die von uns angebotene Qualifizierung zu absolvieren.

Hospiz-Seminar

"Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde!"
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter bringen neben ihren Fähigkeiten, Interessen, beruflichen und persönlichen Lebenserfahrungen ein wesentliches Gut ein, das heute selten geworden ist und einen hohen Wert hat : sie verschenken Zeit

Wie wird man ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Initiative ? 

Die erste Voraussetzung sind das Interesse und die Entscheidung, etwas für kranke Menschen zu tun. die zweite Voraussetzung ist die Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar. 

Das Anliegen des Seminars ist, die Fähigkeit für ein wirkliches Begleiten zu wecken, zu fördern und mit Interessierten, zur Mitarbeit bereiten Personen, eine Gruppe engagierter Hospizmitarbeiter-innen und Mitarbeiter aufzubauen.Das Konzept dieses Kurses ist ein Leitfaden vieler Hospizaktivitäten in ganz Deutschland und entspricht den Empfehlungen für Vorbereitungskurse von Hospizhelfern, die von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Hospizbewegung in der BRD beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegeben wurden. 

Der Vorbereitungskurs dauert etwa ein Jahr und besteht aus einem Grundkurs 
(2 Wochenenden auf Föhr) einer Praktikumsphase und einem Vertiefungskurs (ein „Marathonwochenende“ in einer Bildungseinrichtung auf dem Festland) und wird mit einer Supervision begleitet. Mit einem kleinen Fest und der Aushändigung eines Zertifikates endete die Ausbildung.

Das Fundament des Kurses sind die 8 Schritte, die einer biblischen Begleitungsgeschichte entnommen sind und die als Grundmuster von menschlichen Entwicklungen gesehen werden können:

Der 1. Schritt ist Wahrnehmen

Wir beginnen, uns selbst und den anderen wahrzunehmen und für eine Wahrnehmung zu sensibilisieren, die nicht nur von den eigenen Erfahrungen und (Vor)urteilen geprägt ist.Wir üben das reine Wahrnehmen und Beschreiben dessen, 
was wir sehen, ohne zu werten und zu interpretieren. Das ist nicht einfach in einer Zeit, in der wir schnelles Urteilen gewöhnt sind.

Der 2. Schritt ist Mitgehen

Es geht um die Entscheigung, einen Menschen in seinem Prozess mit allen Hochs und Tiefs zu begleiten, ein Stück seines Lebensweges mitzugehen. 
Elisabeth Kübler-Ross war in den 60er Jahren die erste, die lehrte, dass ein kranker Mensch, der sich mit seinem bevorstehenden Tod konfrontiert sieht, einen Prozess mit ganz unterschiedlichen Phasen durchlebt. Aus dem Beispiel der Musik können wir lernen, dass eine Begleitung dann gut ist, wenn das Soloinstrument gut zum Klingen kommt. Übertragen heißt das: so begleiten, dass die „Lebensmelodie“ des Sterbenden zum Ausdruck kommt ( und nicht der Begleiter die 1. Geige spielt)

Der 3. Schritt ist Zuhören 

Zuhören steht in der Begleitung zentral, denn die meisten Kranken und Trauernden wünschen sich, dass sie sich aussprechen können und dass ihnen jemand zuhört. 
Heute sind viele Menschen voll mit ihren eigenen Gedanken, und diese zurück-zustellen und sich ganz auf den anderen einzulassen, ist eine Herausforderung. 
Wir üben das Zuhören und versuchen immer mehr mit ganzer Aufmerksamkeit und mit ganzer Anteilnahme bei dem anderen zu sein.

Der 4. Schritt ist Verstehen 

Verstehen ist eine Folge von Zuhören, bezieht aber auch das Nichtgesagte und den Menschen im Zusammenhang mit seiner Familie und mit seiner Lebensgeschichte mit ein. Wir versuchen zu erspüren, welches Gefühl hinter Fragen , Aussagen oder Vorwürfen stehen könnte.Wenn ich ein echtes Interesse an dem Patienten entwickeln kann, bringt das Wertschätzung und damit Verständnis.

Der 5. Schritt ist Weitergehen 

Im Leben und auch in der Begleitung gibt es immer wieder Wegkreuzungen , an denen man die Frage hat, ob und wie man weitergehen kann. Pflegende Angehörige und auch Begleiter erleben häufig Krisen mit dem Gefühl, nicht weiter zu können. Wie lernen wir, unsere Grenze zu erkennen und zu akzeptieren, und wie lernen wir, uns auch als Helfer helfen zu lassen? Wir denken darüber nach, wo unsere Kraftquellen liegen und wie wir diese pflegen und welche Rolle die Spiritualität dabei für uns hat.

Der 6.Schritt ist Bleiben

Wenn man sterbende Menschen fragt, was für sie wichtig ist, dann ist häufig die Antwort: Dass du bleibst ! - Nicht allein gelassen zu werden, sondern wissen, dass es jemanden gibt, der bleibt und alles mit mir und mich selber aushält. Zu diesem Schritt gehört das Thema Trost. Was gibt uns wirklich Trost und was empfinden wir als Vertröstung oder schnelle Beruhigungen? Trost hat etwas damit zu tun, den anderen zu erkennen und ihn sein zu lassen, auch in seinem Schmerz.

Der 7. Schritt ist Loslassen

Hier wird das Thema „Abschied“ besprochen. Wie gehen wir mit Abschieden in unserem Leben um? Gestalten wir sie, beweinen wir sie, oder versuchen wir, sie zu leugnen und zu vertuschen, als wäre nichts gewesen? Wir machen uns Bereiche und Situationen zum Thema Loslassen in unserem eigenen Leben bewusst und bekommen vielleicht eine Ahnung davon, wie schwierig es für einen Sterbenden ist, alles, was ihm lieb und vertraut geworden ist, loslassen zu müssen: seinen Körper, sein Haus, seine Gewohnheiten und die Liebgewordenen.

Der 8 Schritt ist Aufstehen 

Sterbende, Angehörige du Trauernde beschäftigt die Frage: „Was kommt nach dem Tod ?“ Gibt es ein Aufstehen? ( Auf – er – stehen) für den Verstorbenen in einer anderen Seinsform? Bilder aus Religionen, Kulturen, Literatur und eigene Erfahrungen werden ausgetauscht. Der 2. Aspekt beim Thema Aufstehen ist die Trauer, eine normale und ein gesunde Reaktion auf einen Verlust.Nach einem mit Viel Geduld durchlittenen Schmerz kann es auch für Hinterbliebene eine Zeit des Aufstehens und des Auf – erstehens geben.